Kindgerechte Messer-Regeln

26. Mrz. 2023 | Praxis & Tools

Falls Du meinem Tipp aus dem Artikel „Kinder & Messer“ verfolgt hast und vielleicht sogar beschlossen hast Deinem Kind zu Ostern ein Taschenmesser zu kaufen, dann solltest Du Dir Gedanken zu einem sicheren Umgang machen. Ein Messer ist vermutlich das erste gefährliche Werkzeuge deines Kindes. Kindgerechte Messer-Regeln sind  daher wichtig. Ich beschreibe Dir die Erfahrungen im Hause des Ostalbwanderers.

Zugegeben: mein Großer freute sich über sein erstes Messer mit 4 Jahren, aber der Herr Papa hatte doch Sorgen. Hatte er doch die Frau Mama überredet, dass das eine gute Idee wäre, und trug somit auch die Verantwortung für die kommenden Schnittwunden. Zum Trost: beim zweiten Kind sieht man das entspannter.

Wir haben von Anfang an klare Regeln aufgestellt, die Gefährlichkeit von Messern erklärt und erstaunlicherweise klappt das absolut einwandfrei. Genau wie alle Kinder machen meine Kinder nicht immer das was sie sollen, aber beim Umgang mit dem Messer sind sie 100% diszipliniert. Das Messer liegt zuhause in einem Fach und wird von den Kindern auch nur herausgenommen, wenn es nach draußen geht.

Für den Umgang habe ich die Messerregeln meiner Pfadfindersippe übernommen. Die habe ich zu Beginn jedes Mal mit ihnen besprochen, danach vor Nutzung abgefragt und jetzt erinnere ich sie ab und zu daran, wenn mir etwas auffällt.

Messer-Regeln

Ein Auszug mit den Messer-Regeln aus dem „Kleinen Büchlein“ meiner Pfadfindersippe.

Messerregeln

Die wichtigste Regel, „wer schnitzt, der sitzt!“ bläue ich den Kindern sehr, sehr deutlich ein. Dem Reim geschuldet geht es nur um das Schnitzen, aber natürlich ist herumlaufen mit dem Messer prinzipiell verboten.

„Immer vom Körper weg!“ ist die zweitwichtigste Regel. Die meisten Verletzungen gehen auf die Missachtung dieser Regel zurück, weil sie im Eifer des Gefechtes dann doch vergessen wird.

Die Armlänge Abstand ist selbsterklärend.

Schnitzen ist für kleine Kinderhände eine kraftraubende Angelegenheit. Mit schwindenden Kräften oder wenn sich das stumpfe Messer verhakt, steigt das Verletzungsrisiko. Daher sollte die Klinge immer scharf sein. Wie man ein Messer selbst schleift kläre ich in einem eigenen Beitrag.

Auch die Regel, dass nie zwei Werkzeuge gleichzeitig am Taschenmesser offen sein dürfen ist selbsterklärend.

Das Wegpacken bei Nichtgebrauch ist in einer Pfadi-Sippe mit vielen Kindern sicher wichtiger, es schärft aber auch in der Familie den Sinn für einen sicheren Umgang. Jetzt schnitze ich, ich setzte mich hin, schaue dass ich Abstand zu anderen habe. Wenn ich fertig bin mache ich mein Messer sauber und packe es wieder weg. Eine gut funktionierende Lernhilfe ist es herumliegende Messer zu konfiszieren, verbunden mit der Erklärung der Gefahren.

Für die sichere Weitergabe gibt es bei uns ein feste Regel:

Der Abgebende reicht das Messer an der stumpfen Seite der Klinge mit dem Wort „Bitte“ an und sucht Augenkontakt. Der Abnehmende greift das Messer am Griff antwortet mit „Danke“ und sucht ebenfalls Augenkontakt. Erst wenn der Abnehmende „Danke“ gesagt hat und Augenkontakt hergestellt wurde gibt der Abgebende das Messer frei.

Bei größeren Kindern wird diese Regel mit der Zeit immer laxer ausgelegt, aber bis ca. 12 Jahre legen wir großen Wert auf dieses Vorgehen.

Die letzten beiden Regeln, keine lebenden Bäume bearbeiten und „Werkzeug, nicht Waffe“ sind selbsterklärend, bedurften aber auch noch nie einer Ermahnung.

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