Die Alamannen

Die Alamannen

Die Alamannen

Die römischen Besatzer in unserer Region sind gut dokumentiert und jedes Kind kennt sie. Aber was sind gleich wieder Alamannen? Heißen die nicht Alemannen? Waren die hier bei uns? Der Ostalbwanderer hat Antworten.

Was sind Alamannen?

Das Wort „Alamannen“ stammt vom römischen „Alamanni“, was soviel bedeutet wie „Männer insgesamt“. Um das Jahr 200 n. Chr. wandern Menschen unterschiedlicher germanischer Stämme aus dem Elbe-Saale-Gebiet in Süddeutschland ein. Überwiegend gehörten sie dem Stamm der Sueben (Schwaben) an. Zwangsläufig stieß man irgendwann auf den Limes, wenn man sich damals auf eine Wanderung gen Süden machte.

Erst als man die Römer rechtsrheinisch zurückdrängte und das ehemals römische Gebiet selbst besiedelte formte sich aus den losen Haufen der zugewanderten Gruppen der Stammesbund der Alamannen. Die Alamannen bezeichnet sich selbst nie als solche, die Eigenbezeichnung war Suben (Schwaben). Der Name Alamannen oder Alemannen ist zeitgenössisch nur in gelehrten römischen bzw. frühmittelalterlichen Schriften überliefert.

Expansion der Alamannen

Expansion der Alamannen von 200 bis 500 n. Chr.
Quelle: http://www.rhetorik-netz.de/rhetorik/alemann.htm, Kartenmaterial aus dem Klett Sprachbuch A/B 10 (1975, ISBN 3123260003) [public domain]

Kurze Geschichte der Alamannen

213 fielen Alamannen erstmals dokumentiert in die Grenzprovinzen Rätien und Obergermanien ein. 259/260 wird der obergermanische/rätische Limes dann in breiter Front von Alamannen überrannt. Für 250 Jahre sind die Alamannen nun die uneingeschränkten Herren in „Alamannien“ und auf der wenig besiedelten Ostalb. 

Sie nutzen die römischen Steingebäude nicht weiter, sondern bauen ihre eigenen Siedlungen aus Holz und Flechtwerk.

496 verlieren die Alamannen in der Schlacht bei Zülpich gegen den Frankenkönig Chlodwig I und läuten damit ihren Niedergang ein. Alamannien wird Teil des Fränkischen Reiches, regiert von einem alamannischen Herzog. Ein Teil der Alamannen steht kurzzeitig unter der Schutzherrschaft der ostgotischen Könige. 722 unterwirft der Frankenkönig Karl Martell die Alamannen endgültig, 746, beim Gerichtstag von Cannstatt erlischt das Alamannenreich endgültig.

Rätischer und obergermanischer Limes

Alamannen – was wir wissen

Neben wenigen, hauptsächlich römischen Texten, haben wir unser heutiges Wissen über die Alamannen vor allem den Archäologen zu verdanken, die in akribischer Kleinarbeit die Lebensweise der Alamannen aus Münzen, Alltagsgegenständen wie Gewandspangen, Gräberfeldern und ausgegrabenen Bauwerken rekonstruieren. 

Alamannenschädel
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Das Ries-Ereignis

Das Ries-Ereignis

Die Entstehung des Nördlinger Ries und des Steinheimer Beckens sind so unfassbar gewaltige Vorgänge, dass man sie kaum begreifen kann. Hier gibt es eine Chronologie der Ereignisse. Im Ausflugstipp #044 „Das Rieskratermuseum“ gibt es den passenden Ausflugstipp.

Das Ries-Ereignis

Deutschland vor 15 Millionen Jahren. An einem schönen Tag im subtropischen Regenwald zwischen dem was heute Nürnberg ist und dem was heute Stuttgart ist, döst ein Machairodus faul in der Sonne und schaut irritiert auf den weißen Fleck am Himmel, der immer größer wird und schließlich heller als die Sonne ist. Was die Säbelzahnkatze sieht, ist ein 1,5km großer Asteroid der gerade durch die Erdatmosphäre auf seine Einschlaggeschwindigkeit von 72.000km/h abgebremst wird. 

Ries Ereignis

35 Millisekunden vor dem Einschlag

In weniger als drei Sekunden durchquert der Asteroid unsere Atmosphäre und nähert sich mit 20 Meter pro Sekunde im 30°-Winkel der Oberfläche. Die Luft zwischen der Erdoberfläche und dem Asteroiden wird komprimiert und erhitzt sich dadurch so stark, dass auf der Erdoberfläche das Gestein und aufliegende Erde verdampft. Insgesamt werden in den nächsten Minuten 3.000km³ Erde verdampfen. Plus der Asteroid.

Blick aus dem Museumsfenster auf St. Laurentius

10 Millisekunden nach dem Einschlag

Der Asteroid schlägt auf und übt einen Druck von 4-5 Millionen bar, also 400.000-500.000 Tonnen pro Quadratmeter, auf die Erde aus. Die Oberfläche der Erde wird 10.-30.000°C heiß. Dadurch wird geschmolzenes Gestein mit deutlich über 72.000km/h nach Osten weggeschleudert. In einem eng umgrenzten Gebiet in Böhmen und Mähren sind diese Sande noch heute als erstarrte Glastropfen zu finden.

Blick aus dem Museumsfenster auf St. Laurentius

60 Millisekunden nach dem Einschlag

Der Asteroid hat die Sedimentgesteine des Jura und des Trias, die knapp 800m mächtig sind, durchschlagen und dringt in das Grundgebirge ein. Insgesamt dringt der Asteroid ca. einen Kilometer in die Erde ein. Innerhalb von einem Kilometer von 72.000km/h auf null zu bremsen ist eine ziemlich unsanfte Angelegenheit. Unser Asteroid, ein 1,5km großer Stein, wird auf weniger als die Hälfte seiner Größe zusammengepresst.

Die Hauptauswurfphase beginnt. Eine bunte Mischung aus glühenden Gesteinen aller Schichten wird mit 18.000 km/h aus dem Kegel nach außen geschleudert. Die Stoßwelle breitet sich im Gestein mit Überschallgeschwindigkeit aus, Gestein schmilzt und wird umgewandelt.

Blick aus dem Museumsfenster auf St. Laurentius

10 Sekunden nach dem Einschlag

Der Asteroid ist komplett verdampft. Bei dieser Explosion, die der Sprengkraft von mehreren hunderttausend (!) Atombomben entspricht wird ein Krater von 8 Kilometer Durchmesser und 4 Kilometer Tiefe aufgesprengt. In einer Entfernung von 40km um den Aufschlagort bildet sich eine geschlossene Decke aus ausgeworfenem Material, die zunächst bis zu 100m mächtig ist.

Eine Wolke aus glühendem Gestein schießt etwa 100km in die Höhe. Nach dem Durchlaufen der Stoßwelle federt die Erde zurück und in der Mitte des Kraters beginnt sich ein Zentralberg zu bilden.

Blick aus dem Museumsfenster auf St. Laurentius

1 Minute nach dem Einschlag

Der Krater und der Zentralberg sind nicht stabil, die steilen Wände stürzen ein, teilweise kilometergroße Gesteinsschollen rutschen in Richtung des Zentrums. Der Krater erweitert sich auf einen Durchmesser von ca. 24 Kilometer. Der einstürzende Zentralberg drückt innerhalb des Kraters einen Ring auf, den inneren Ring, der heute noch sichtbar ist.

Blick aus dem Museumsfenster auf St. Laurentius

10 Minuten nach dem Einschlag

Nach drei Minuten war das Kraterwachstum beendet, einige Minuten später kollabierte die Glutwolke über dem Krater und glühendes Gestein regnete auf den Krater und die Umgebung herab. Der 500m tiefe Krater wird ca. 400m hoch von glühendem Impaktgestein gefüllt. Dieses Impaktgestein, der Suevit, ist heute das typische Gestein im Nördlinger Ries. Allerdings dauerte es erst einmal ca. 2.000 Jahre, bis das glühende Kraterloch von ca. 600°C auf 100°C abgekühlt war.

Blick aus dem Museumsfenster auf St. Laurentius

Auswirkungen

3km³ Gestein sind verdampft, 150km³ Gestein wurde aus dem Krater geschleudert, 1.000km³ Gestein wurden bewegt. Insgesamt wurden 5.000km² Fläche mit Gestein bedeckt. Umgerechnet in heutige wissenschaftliche Einheiten entspricht das 1,95 Saarland oder 700.280 Fußballfeldern.

Der Einschlag ist auf der ganzen Welt zu hören, nach 17 Stunden hört man ihn auf der anderen Seite der Erde, irgendwo im Pazifik vor Australien.

In Paris, 500km Luftlinie entfernt, bebte die Erde und ein starker Wind (6 Bft) war zu spüren. In Frankfurt konnte man einen Feuerball sehen, etwa 10 mal so groß und so hell wie die Sonne und ein Sturm von ca. 200km/h entwurzelte 1/3 aller Bäume.

Der Ur-Main und die Ur-Altmühl flossen ca. 10km östlich des Kraters nach Süden, ihr Strom wurde durch die Auswurfmassen unterbrochen und es staute sich ein See von der Größe des Bodensees bis nach Nürnberg. Der See verlandete erst nach ca. 2 Millionen Jahren.

Nördlinger Ries

Interessiert? Im Ausflugstipp #044 „Das Rieskratermuseum“ gibt es den passenden Ausflugstipp.

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Die Kelten

Die Kelten

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Die Kelten beherrschten von ca. 800 v. Chr. bis zum Erscheinen der Römer nach Christi Geburt die Ostalb. Als die Römer um 60 n. Chr. auftauchten und um 160 n. Chr. den Limes in unserer Region errichten vermischten sich die Kulturen zuerst, bevor sie mit dem Erscheinen der von Norden einströmenden Alamannen im 3. Jahrhundert verschwand. 

Was sind Kelten?

Die Definition, was ein Kelte war ist nicht so einfach. Kelten waren nie ein Volk, oder gar eine Nation. Sie waren unterschiedliche ethnische Gruppen mit vergleichbarer Kultur.

Es gibt daher eine archäologische Definition, die aufgrund vergleichbarer Funde in Europa die ehemaligen Bewohner als Kelten deklariert. Es gibt die sprachwissenschaftliche Definition, die aufgrund antiker Quellen und sprachwissenschaftlicher Belege für keltische Worte in modernen Sprachen das Verbreitungsgebiet umreißt. Es gibt die ethnologische Definition, die Volksstämme mit ähnlichen Gebräuchen und Glaubensvorstellungen zusammenfasst. Schließlich git es noch die sehr imperalia Definition der Römer: alles was Rom als Kelte bezeichnet ist gefälligst ein Kelte.

Keltendorf Bopfingen

Die Eisenzeit

Da dies keine Seminararbeit werden soll begnügen wir uns damit, dass die Kelten die Bewohner des Gebiets zwischen Nordostfrankreich bis zur nordöstlichen Balkanhalbinsel während der Eisenzeit waren.

Die mitteleuropäische Eisenzeit umfasst den Zeitraum von 800 v. Chr. bis 15 v. Chr.  Sie wird in eine frühe Eisenzeit (Hallstattzeit) und eine späte Eisenzeit (Latènezeit) ab 450 v. Chr. unterteilt.

Bereits in der vorhergehenden Bronzezeit haben die Menschen einen hohen kulturtechnischen Stand erreicht. Zu dieser gehörten Bestattungsriten („Urnenfeldkultur“), große durch Wälle geschützte Siedlungen, vielfach auf Inselbergen, Kupferbergbau, Bronzebearbeitung und Keramikherstellung.

Hallstattkultur

Quelle: NordNordWest, Public domain, via Wikimedia Commons

Hallstattzeit

Die Menschen der Hallstattkultur bildeten eine deutliche Hierarchisierung der Gesellschaft heraus. Man findet in dieser Zeit reich ausgestattete Fürstengräber und Fürstensitze. Das alte Fernhandelssystem für Kupfer und Zinn zur Bronzeherstellung wurde aufgegeben, es etablierten sich neue Fernhandelswege mit Handelsstationen, die sich am Eisenhandel orientierten. Durch Funde von griechischer Keramik, massaliotischen Weinamphoren und etruskischen Bronzegefäßen konnte ein Handel mit dem Mittelmeerraum nachgewiesen werden.

Hallstattkultur

Fürstengrab bei Bopfingen

Lathènezeit

In der Lathènekultur werden die etruskischen und grichischen Einflüsse deutlicher. Man ahmt die dortige Kunst nach woraus sich schließlich ein eigener, neuer Kunststil entwickelt. 

Es setzen Wanderungen der keltischen Stämme ins Donaubecken, nach Makedonien und Griechenland ein, vermutlich aufgrund einer Verschlechterung des Klimas. Es kommt zu einem ersten Geldwesen, wobei griechische und römische Münzen nachgeahmt werden.

Die Siedlungen wachsen an, erstmals sind in den Siedlungen eigene Handwerkerviertel erkennbar. 

Fernsehturm auf dem Rosenstein und Teufelsklinge

Keltische Wallanlagen am Rosenstein

Untergang der Kelten

200 v. Chr. erreichte das keltische Siedlungsgebiet seine größte Ausdehnung. Danach wurde der keltische Einfluss von Norden her durch das Vorrücken germanischer Stämme zurückgedrängt.

Im Süden waren die Verhältnisse unter dem Einfluss des römischen Imperiums anders gelagert. Zwar konnte die keltische Kultur unter römischer Besatzung weiterbestehen, sie verschmolz allerdings mit dieser, römische und keltische Kulturelemente vermischten sich und im Westen, dem heutigen Frankreich, wurde daraus die gallorömische Kultur, im Osten die norisch-pannonische Kultur.

Die Ostalb liegt an der Grenze der beiden Einflusszonen. Von Norden rückten die Alamannen ein, im Süden assimilierten die Kelten die romanische Kultur. Schließlich verschwand die Kultur und machte Platz für die Römische Kaiserzeit, die Europa bis zur Zeit der Völkerwanderung (375-568) dominieren sollte.

Römischer Wachturm Lorch

Der Limes bei Lorch (Rekonstruktion eines Wachturms)

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WaffG: Der Große Bruder beschützt Dich!

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Welche Messer erlaubt das Waffengesetz beim Wandern? Eine Frage, die vor 50 Jahren Irritationen ausgelöst hätte, ist heute durchaus relevant. Wie der geneigte Leser bereits an der Überschrift erahnen kann, sehe ich die Entwicklung kritisch. Trotzdem sollte man die Regeln zumindest kennen.

Aktuell wird eine Verschärfung des Waffenrechts diskutiert, die u.a. Messer ab einer Klingenlänge von 6cm zu verbotenen Gegenständen machen würde. Davon betroffen wäre selbst ein Gemüsemesser für die Brotzeit im Rucksack! Ich empfehle daher diese Petition mitzuzeichnen.

Waffengesetz beim Wandern

Es ist traurig, in einem Wanderblog das Waffengesetz zitieren zu müssen, aber leider notwendig.

Der Gesetzgeber hat im Waffengesetz nach diversen Anschlägen Aktionismus betrieben, und eine ganze Reihe Messer verboten.

Darunter zum Beispiel das Butterflymesser. In meiner Jugend war es ab 14 Jahren ein muss, sich so ein Teil im NATO-Shop im Gmünd Center für 15 Mark zu holen. Natürlich haben wir das auch in der Schule geführt. Damit würde man es heute in Spiegel Online schaffen, mindestens aber ein Ticket für den Schulpsychologen buchen. Damit du auf der sicheren Seite bist musst du folgendes wissen:

Verbotene Gegenstände

  • Butterfly-, Fall-, Faustmesser und einige Springmesser sind verboten. Ausnahmen gibt es, unter anderem für Jäger.
  • Dolche, Schwerter und Wurfmesser sind für Volljährige erlaubt, dürfen aber nicht in der Öffentlichkeit geführt werden.
  • Feststehende Messer mit einer Klingenlänge über 12cm dürfen in der Öffentlichkeit nicht getragen werden.
  • Ebenso einhändig ausklappbare und arretierbare Messer und jedes Messer das der Gesetzgeber in seiner allumfassenden Weisheit als Hieb- oder Stoßwaffe deklariert.
Pfadfindermesser 13cm Klingenlänge

Ein wunderschönes Pfadfindermesser von Linder. Dank 13cm langer Klinge darf es nicht geführt werden.

Feldmesser Bundesheer mit Scheide (Österreich)

Das Feldmesser des österreichischen Bundesheers. Günstig, robust und ein gutes Werkzeug, wenn man aufgrund Platz- und Gewichtsersparnis keine Axt mitnehmen will. Mein bevorzugtes Werkzeug für Fernwanderungen mit Biwak, wenn es auf das Gewicht ankommt. Leider mit über 16cm ein verbotener Gegenstand. Wenn Du damit jemanden abstichst wirst du nicht nur wegen Mordes, sondern auch wegen Tragen eines verbotenen Messers belangt. Da fühlt man sich doch gleich sehr beschützt. Danke Staat!

Zwei Möglichkeiten gibt es, aus diesem Verbot herauszukommen:

  • Messer die nicht öffentlich getragen werden dürfen, kann man verschlossen transportieren. Dann bekommt man erst Probleme, wenn man sie auspackt um damit zu arbeiten, oder…
  • das Messer für einen „allgemein anerkannten Zweck“ mitführen.

Was ist nun ein „allgemein anerkannter Zweck“, der zu einem berechtigten Interesse führt und die Mitnahme erlaubt?

Das Niedersächsische Innenministerium antwortet darauf in einer glasklaren Stellungnahme, die so auch in den anderen Bundesländern gelten dürfte:

Die Frage, ob ein „berechtigtes Interesse“ und somit gesetzeskonformes Verhalten vorliegt, hängt immer vom Einzelfall unter Einbeziehung sämtlicher Sachverhaltsumstände ab. Eine generelle Beantwortung Ihrer u.a. Frage ist daher leider nicht möglich. Die folgenden Hinweise können daher nur als Anhaltspunkt dienen.

Der Zweck des Mitführens muss sich einem Durchschnittsbürger ohne Weiteres erschließen, damit von einem allg. anerkannten Zweck ausgegangen werden kann. Wann dies anzunehmen ist, muss differenziert beurteilt werden, je nachdem, welche Gegenstände konkret geführt werden.

Niedersächsisches Ministerium für Inneres und Sport

Alle Klarheiten beseitigt? Als frei denkender Mensch stößt mir schon sauer auf, dass ich mich im Zweifelsfall vor einem Staatsdiener rechtfertigen muss, warum ich in der Öffentlichkeit ein Messer führe. Ich habe für mich persönlich festgestellt, dass ich einen anerkannten Zweck verfolge, wenn ich mit meinen Messern aus dem Haus gehe.

Führen & Besitzen

Allerdings ist es nicht so einfach, wie sich das der gemeine Untertan vorstellt, mit dem anerkannten Zweck. So stellt das OLG Stuttgart (Beschluss vom 14.06.2011 – 4 Ss 137/11) bereits klar, dass ein Rettungsmesser im Seitenfach der Autotüre, um im Notfall eine Scheibe einzuschlagen oder einen Gurt aufzutrennen, kein anerkannter Zweck ist. Mir als Feuerwehrmann erschließt sich der Zweck und ich habe das auch früher so praktiziert. Die Prädikatsjuristen kommen hier offenbar zu einer genauso weltfremden wie anderen Ansicht.

Rettungsmesser

Mein altes Rettungsmesser aus Feuerwehrtagen. Es ist richtig praktisch im Winter, weil es auch mit dicken Handschuhen mit einer Hand zu öffnen ist. Aus genau diesem Grund darf man es aber in der Öffentlichkeit nicht mehr tragen. Das gelbe Teil hinten ist ein Gurtschneider, an der Spitze hinten ein Körner um Einscheibensicherheitsglas zu entfernen.

Der Beklagte mit dem Rettungsmesser im Auto führte das Messer, dass heißt er hatte es so positioniert, dass er es jederzeit sofort greifbar hatte, unvermittelt davon gebrauch machen konnte. Keine schlechte Idee, sollte man meinen. Diente es doch dazu im Notfall einen Gurt durchzutrennen.

Besitz hingegen ist nur die „tatsächliche Herrschaft“ über eine Sache. Ich habe ein Messer, ich weiß wo es ist, aber ich kann es nicht direkt in die Hand nehmen. Also in den Rucksack damit? Nein, meinte die Staatsanwaltschaft Görlitz. Der Rucksack sei zwar geschlossen aber nicht verschlossen. Im konkreten Fall hatte ein Zugbegleiter ein Einhandmesser als Werbegeschenk erhalten und nutzte es dazu in seiner Pause Äpfel zu schneiden. Es lag in einem Etui im Rucksack neben der Vesperdose. Das Apfelmesser wurde staatlich eingezogen und es gab ein Verwarngeld in Höhe von 50€ wegen „verbotenen Mitführens einer Waffe“

Also berufen wir uns auf den „anerkannten Zweck“? Auch hier ist der Untertan der Willkür staatlicher Rechtssprechung ausgeliefert, die den obigen Gummiparagraphen nach Tageslaune auslegt. Das wurde einem Dachdecker zum Verhängnis, der ein Cuttermesser als Teil seiner Ausstattung führte. In einem Holster am Gürtel, wie es Dachdecker eben so machen. „Anerkannter Zweck“ meinte das Amtsgericht zwar, aber dass er damit auf dem Heimweg an einer Tankstelle angehalten hat, wurde ihm zum Verhängnis. Der Umweg wird nicht mehr vom anerkannten Zweck gedeckt. Messer weg, Strafe. Wieder ein potentieller Amokläufer weniger. Deutschland atmet auf.

Fazit

De facto gibt es keine echte Definition was ein anerkannter Zweck ist. Man ist immer auf das Wohlwollen des Polizisten oder Richters angewiesen. Wer auf der sicheren Seite sein will, der führt statt einem Feldmessers besser ein Beil oder eine Axt mit sich. Alle anderen überlegen sich, wie groß die Chance ist erwischt zu werden und bedauern die Polizisten, die sich um so einen Scheiß kümmern müssen.

Fiskars X7
Kindgerechte Messerregeln

WaffG § 42a

Verbot des Führens von  Anscheinswaffen und bestimmten tragbaren  Gegenständen

(1) Es ist verboten

  1. […]
  2. Hieb- und Stoßwaffen nach Anlage 1 Abschnitt 1 Unterabschnitt 2 Nr. 1.1 oder
  3. Messer mit einhändig feststellbarer Klinge (Einhandmesser) oder feststehende Messer mit einer Klingenlänge über 12 cm

zu führen.

(2) Absatz 1 gilt nicht

  1. […]
  2. für den Transport in einem verschlossenen Behältnis,
  3. für das Führen der Gegenstände nach Absatz 1 Nr. 2 und 3, sofern ein berechtigtes Interesse vorliegt.
Waffengesetz

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Warum steht hier ein Berg?

Warum steht hier ein Berg?

Warum steht hier ein Berg?

Die Jahrmillionen haben unsere Heimat geprägt und zu dem gemacht was sie ist. Hier beschreibe ich die Entstehungsgeschichte der Ostalb und die Entstehungsgeschichte des Südwestdeutschen Schichtstufenlandes.

250 Millionen Jahre Ostalb

Warum steht hier ein Berg? Warum ist unsere Heimat so schön, wie sie ist? Mit den Bergen, Höhlen, mit ihren Schluchten, Klingen und Tälern? Die Entstehung des Südwestdeutschen Schichtstufenlandes ist ein komplexer und spannender Vorgang, der sich über Jahrmillionen hinzog. In diesem Artikel erkläre ich die Zusammenhänge.

Bevor wir aber zum eigentlichen Thema kommen will ich einen kurzen Überblick über unseren Naturraum geben. „Naturräume“ sind der Versuch, die Erde in natürliche, zusammenhängende Bereiche einzuteilen, losgelöst von menschgezogenen Grenzen.

Naturräume

Die Naturräume in Deutschland werden nach dem Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands eingeteilt. Die Einteilung erfolgt in Großregionen, Haupteinheitengruppen, Haupteinheiten und Untereinheiten.

Unsere Heimat gehört zur Großregion 2. Ordnung „Südwestdeutsches Schichtstufenland“, diese wiederum ist Teil der Großregion 1. Ordnung „Mittelgebirge“.

Naturräume in Deutschland

Naturräume in Baden Württemberg (Meynen, Schmithüsen et. al. Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands)

Das Südwestdeutsche Schichtstufenland umfasst dabei einen großen Teil Süddeutschlands vom Oberrheintal bis zum Oberpfälzischen Hügelland. Zur weiteren Unterteilung hat man die Naturräume in Haupteinheitengruppen und dann in Haupteinheiten eingeteilt. Wir liegen genau an der Grenze zweier Haupteinheitengruppen. Die Haupteinheitengruppe „09 Schwäbischen Alb“ mit der Haupteinheit „096 Albbuch und Härtsfeld“ (z.B. das Kalte Feld) im Süden. Die Haupteinheitengruppe „10 Schwäbisches Keuper-Lias-Land“ mit den Haupteinheiten „102 Vorland der östlichen schwäbischen Alb“ (Göppingen, Aalen, Bopfingen), „107 Schurwald und Welzheimer Wald“ (Schwäbisch Gmünd, Schorndorf) und „108 Schwäbisch Fränkische Waldberge“ (Ellwanger Berge, Limpurger Berge, Murrhardter Berge bis ins Weinsberger Tal).

Gliederung der Ostalb

Das hört sich zuerst einmal kompliziert an, macht unsere Heimat aber so vielfältig und die Entdeckungsreise so spannend!

Naturräumliche Gliederung der Ostalb

Naturräumliche Gliederung der Ostalb

 

Klettersteig Jakobushöhle Scheuelberg

Haupteinheiten

Die Unterteilung in Haupteinheiten erfolgt dabei anhand der Schichtstufe, also dem vorliegenden Gestein:

  • Schurwald und Welzheimer Wald (Keuper)
  • Schwäbisch-Fränkische Waldberge (Keuper)
  • Vorland der östlichen Schwäbischen Alb (= Schwarzer Jura „Lias“ und Brauner Jura)
  • Albuch und Härtsfeld (Weißer Jura)

In Schwäbisch Gmünd haben wir daher das Glück, dass wir auf engem Raum vier Gesteinsarten vorliegen haben, vom Tal auf den Berg den Keuper, den Schwarzen, Braunen und Weißen Jura. Um zu verstehen warum das so ist, und warum hier ein Berg ist, muss man ein wenig zurückgehen. Ungefähr 350 Millionen Jahre.

Südwestdeutsches Schichtstufenland

Entstehung der Schichten

Vor 350 Millionen Jahren, während des Erdaltertums (Paläozoikum) bildete sich ein Becken, das von Schwellen und Gebirgszügen umgeben war. Vor 250 Millionen Jahren, während des Erdmittelalters (Mesozoikum), war dieses Becken, und damit unsere Heimat, ein großes überflutetes Becken, das „Germanische Becken“, dass seit 1999 politisch korrekt „Mitteleuropäisches Becken“ genannt wird, da es sich von England bis an die Ostgrenze Polens erstreckte.

Dieser „Ozean“ war Sedimentationsgebiet, organische und anorganische Schwebstoffe im Wasser lagerten sich über den unvorstellbaren Zeitraum von 100 Millionen Jahren in unserer Gegend ab. An manchen Stellen des Germanischen Beckens sind diese abgelagerten Schichten bis zu 2000m mächtig.

Trias & Jura

In der Trias, beginnend vor etwa 235 Millionen Jahren, lagerten sich die Sedimente ab, die wir heute als Keuper kennen und die heute z.B. den Welzheimer Wald bilden. Im folgenden Zeitalter, dem Jura (200 Mio Jahre – 145 Mio Jahre), fiel das Germanische Becken abwechselnd trocken und wurde überflutet, wobei abwechselnd kontinentale und marine Ablagerungen entstanden. In dieser Zeit entstanden die Schichten des Schwarzen, Braunen und Weißen Jura, die sich über den Keuperschichten lagerten. Heute benennt man diese Schichten als Unter-, Mittlerer und Oberjura, ich bleibe aber bei den althergebrachten Bezeichnungen die sich im Volksmund verankert haben. In diesen Gesteinsschichten finden sich viele Fossilien, die einen eigenen Artikel wert sind. Eine weltbekannte Fundstätte ist Holzmaden bei Kirchheim unter Teck. Das dortige Urweltmuseum Hauff ist definitiv einen Besuch und ebenfalls einen eigenen Beitrag wert!

Sedelfels Rosenstein

Der Seldelfelsen bei Heubach

Der Seldelfelsen bei Heubach

Kleine Scheuer Rosenstein
Auffaltung des Rheingrabens und Entstehung des Schichtstufenlandes

Auffaltung des Rheingrabens und Entstehung des Schichtstufenlandes (Quelle: Wikipedia CC-BY)

Bildung der Schichtstufen

Nachdem sich nun über gut 100 Millionen Jahre allerhand Material in Schichten auf der Ostalb abgelagert hatte, lagen diese Ablagerungen in ihren Schichten viele Millionen Jahre da. Aus organischem und anorganischem Material wurde Stein. Die vielen versteinerten Fossilen, die in diesen Schichten versteinerten, machen die Beschäftigung mit dem Boden auf dem wir leben besonders spannend.

Erdneuzeit – Känozonikum

Wir machen nun einen Sprung in Richtung Gegenwart und finden uns im Neogen wieder, circa 50-20 Millionen Jahre vor unserer Zeit. Das Neogen ist ein Abschnitt des Känozonikum, der Erdneuzeit.

Eine bittere Wahrheit, aber sie muss ausgesprochen werden: unsere schönen Berge wurden von Baden aus erschaffen. (Solange der VfB in der Tabelle vor dem KSC steht, sei unseren badischen Freunden dieses Meisterstück von vor 30 Millionen Jahren aber gegönnt).

Oberrheingraben

Die genaue Entstehung ist immer noch Gegenstand der Forschung, aktueller Stand ist aber, dass aufgrund von Zugspannungen in Erdkruste und Erdmantel im Bereich des Oberrheins ein Graben entstand. Nicht das was wir heute als Rheintal kennen, sondern ein richtiger Graben. Die Erdkruste wurde in diesem Bereich um 6-8km gedehnt. Die Erdoberfläche wurde bis in eine Tiefe von vier Kilometern aufgerissen (!), der Riss füllte sich im Laufe der Zeit mit Sedimenten. Die Gebiete westlich des Oberrheingrabens verschoben sich relativ zu den linksrheinischen Gebieten um über fünf Kilometer.

Auffaltung

Im Zuge der Entstehung des Oberrheingrabens wurde das Gebiet links und rechts des Oberrheins angehoben und es entstand die heutige Geländeformation, die natürlich im Laufe der letzten 20 Millionen Jahre der Erosion und anderen Prozessen unterworfen war und am Ende kam eine sehr, sehr geile Gegend heraus: unsere Ostalb.

Durch diesen Effekt des Auffaltens vom Rheingraben her erhielt die Schwäbische Alb ihre Charakteristik: auf unserer Seite, an der Bruchkante, einen relativ steilen Anstieg und dann eine langsame Abflachung auf die gegenüberliegende Seite zur Donau hin. Auf der französischen Seite des Rheins passierte dasselbe und die Vogesen und das nordfranzösische Schichtstufenland entstanden.

Erosion

Ursprünglich war der Anstieg weitaus steiler, aber die Erosion hat über die Millionen von Jahren am Albrand genagt. Die „Zeugenberge“ Stuifen, Hohenstaufen, Rechberg, das Kalte Feld und der Ipf waren ursprünglich Teil des Hauptkammes der Schwäbischen Alb, sie wurden durch die Erosion herausgetrennt. Dem Rosenstein, der noch mit dem Albhauptkamm verbunden ist droht in ein paar Millionen Jahren ein ähnliches Schicksal.

Lineament & Verwitterung

Diese Erosion hat uns viele zusätzliche Ausflugsziele beschert. Einen Felssturz vom Hohenstaufen kennen wir heute als Spielburg. Ein Abbruch und Zusammensacken der Schichten quer durch die Region, das sogenannte Schwäbische Lineament, trennte auf dem Rechberg den Nebengipfel mit der Ruine vom Hauptgipfel mit der Kirche.

Die Höhlen am Rosenstein sind das Ergebnis von Millionen Jahren von Verwitterung, ebenso die beeindruckenden Klingen im Albvorland wie die Teufelsklinge.

"Das Haus" am Rosenstein
Schichtstufen

Unbekannter Künstler, Zeichnung im Gastraum des Franz-Keller-Hauses (nachgezeichnet zur besseren Lesbarkeit)

Eine sehr gelungene Darstellung der Schichtstufen hängt auf dem Franz-Keller-Haus (siehe Bild). Gut zu erkennen ist, warum die Alb bei uns steil ansteigt und dann zur Donau hin flach abfällt. Die einzelnen Schichtstufen sind 2-4% aufgestellt.

Links unten im Bild sieht man einen Bruch in den Schichtstufen, das Schwäbische Lineament. In der Realität kann man das gut in Waldstetten sehen. Während die Kirche auf dem höheren nordwestlichen, albabgewandten, Teil trohnt, liegt das Rathaus auf dem tieferen Teil Richtung Schwäbische Alb. Auch am Rechberg ist es gut zu sehen, die Ruine trohnt direkt an der Abbruchkante, der eigentliche Berg auf der anderen Seite.

Ebenfalls gut zu sehen: härtere Schichten bilden steile Abbruchkanten mit darauffolgenden Verebnungsflächen, das klassische Bild der Landschaft auf der Ostalb.

Geologische Schichten der Ostalb

Gut zu erkennen ist, dass Schwäbisch Gmünd im Trias liegt, auf Höhe von Waldstetten der Schwarze Jura endet, darüber bis Tannweiler der braune Jura und darüber der Weiße Jura ansteht. Jede dieser Schichten besteht wiederum aus Unterschichten. Die Benennung der Schichten ist für den Laien schwer zu verstehen. Ober-, Mittel- und Unterjura hießen früher schwarzer, brauner und weißer Jura. Dazu kommt, dass man häufig noch die von Oppel eingeführten Begriffe Lias, Dogger, Malm verwendet werden.

Die einzelnen Schichten unterteilen sich in Stufen die moderne Namen haben, aber auch die nicht mehr wissenschaftlich gebräuchlichen Begriffe von Quenstedt werden noch verwendet. Dann kann man Gesteinsstufen noch räumlich trennen (Lithographie) oder nach dem Vorkommen der darin enthaltenen Fossilien (Biostratigraphie). Alles Klar? Damit ihr mit den verschiedenen Bezeichnungen klar kommt habe ich versucht sie in einer Tabelle zusammenzufassen. In Wahrheit ist es noch ein bisschen komplizierter, aber die Tabelle enthält die gängigsten Bezeichnungen in vereinfachter Zusammenfassung:

Schichtstufen am Kalten Feld

Erklärung zur Tabelle

Wenn jemand von Aalenium spricht, meint er damit eine chronostratigraphische Stufen des Mitteljura (benannt nach der Stadt Aalen). Chronostratigraphie gliedert Gesteinskörper nach dem Alter ihrer Entstehung. Wir reden also von einem Gestein, dass vor 170 bis 174 Millionen Jahren entstanden ist.

Aalenium ist dabei die älteste von vier chronostratigraphische Stufen des Mitteljura (früher: brauner Jura).

Lithostragraphie

Die Lithostragraphie gliedert Gesteinseinheiten nach chemischen und physikalischen Beschaffenheiten und unterteilt Gesteine, die im Zeitalter Aalenium entstanden sind in ältere Opalinuston-Formationen und jüngere Eisensandstein-Formationen.

Biostratigraphie

Auf den Tübinger Professor Friedrich August von Quendstedt (1809-1889) und seinen Schüler Albert Oppel geht die biostratigraphische Gliederung der Schwäbischen Alb zurück, die bis in die 70er Jahre gültig war und dann von einem internationalen System abgelöst wurde.

In der Biostratigraphie teilt man Schichten anhand von Leitfossilien ein. Man nutzt dazu Fossilien, die in einem möglichst scharf umgrenzten Raum und möglichst häufig vorkommen um ein Gestein einer Stufe zuzuordnen.

Von Quendstedt nutzte das von Alexander von Humboldt vorgeschlagene Jura-System (Unterer, Mittlerer, Oberjura). Sein Schüler Oppel nutzte hingegen Lias, Dogger, Malm. Aufgrund der Farbe der Gesteine setzte sich zusätzlich die Begriffe Schwarzer, Brauner, Weißer Jura durch.

Beide unterteilten die drei Hauptstufen in Unterstufen, populär war die Benennung von Quendstedt mit jeweils sechs Untergruppen alpha bis zeta.

Wenn du das verstanden hast, weißt du zukünftig, dass Dogger alpha, Braunjura alpha, Eisensandstein-Formation und Aalenium ein und denselben Stein bezeichnen können. 

Welches geologische Phänomen gefällt Euch besonders? Die Höhlen? Die Fossilien? Etwas ganz anderes? Schreibt es in die Kommentare!

 

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