Die Sage vom Reiterleskapelle

01. Jul. 2023 | Sagen & Geschichten

Es steht etwas besonderes an! Die nächsten fünf Tage gibt es jeweils eine Sage um das Christental auf www.ostalbwanderer.de! Für den 9. Juli führt mein Tipp der Woche nämlich auf eine Sagenreise in dieses geheimnisvolle Tal.

Die Entstehung der Reiterleskapelle geht, der Sage nach, auf eine unheimliche nächtliche Begegnung des wohlhabenden Bauern Reuterle aus Tannweiler am Christentalpass zurück.

Ritter von Roth

Am 20. Februar des Jahres 1621 verstarb Joachim Berchtold von Roth aus Winzingen. Von Roth war Besitzer des Schlosses Winzingen nebst zugehörigem Rittergut. Er hatte es 14 Jahre vor seinem Tod, im Jahre des Herrn 1607, von seinem Schwager Philipp von und zu Neuhausen und Alfdorf erworben.

Für den Schwager Philipp war der Tod seines Verwandten ein wirtschaftlicher Glücksfall. Erbte er doch das Schloss zurück und verkaufte es im selben Jahr an Freiherr Benjamin von Bubenhofen ein zweites Mal. Auch die Winzinger Bürger atmeten auf, war Roth doch als Tyrann und Jungfernschänder bekannt, unter dem die Bauern arg litten.

Begräbnis in Winzingen

Weniger glücklich über den Tod des Hauptmanns von Roth war der wohlhabende Bauer Reuterle vom Hof zum Tanner, der dem Winzinger Herrn eine beachtliche Summe Geldes geliehen hatte. Reuterle war einer der besten Freunde Hauptmann Roths, war oft zu Gast auf Schloss Winzingen und half dem Hauptmann manches Mal aus finanziellen Unannehmlichkeiten.

Also machte sich der Bauer mit dem Pferd auf den Weg von Tannweiler über den Christentalpass hinab nach Winzingen zum Begräbnis des Ritters, getrieben auch von der Absicht sein verliehenes Geld von den Erben zurückzufordern.

Der Geist des Ritters

Bereits während des Begräbnisses ereigneten sich gruselige Dinge. Von Roth war, wie damals üblich, im Schlosshof aufgebahrt. Während der Aussegnung durch den lutherischen Winzinger Pastor zeigte sich der Geist des Roth am obersten Dachladen in Form eines kleinen, grün gekleideten Männleins, dass die versammelte Trauergemeinde mit wüsten Worten verspottete, sich schließlich auf dem Sarg breit machte und keine Anstalten mehr machte von dort zu verschwinden. Die Sargträger, denen man lange zureden musste den Sarg anzuheben, vermochten es nicht. Eine unsichtbare Hand hielt den Sarg am Boden fest. Schließlich kam ein altes Weiblein um den Geist mit Weihwasser zu besprengen, worauf selbiger feuerprustend und zischend emporfuhr und verschwand.

Reiterleskapelle am Christentalpass

Amtmann Kugler

Am Abend nach der Beerdigung ordnete der Bauer Reuterle mit dem Amtmann David Kugler seine Geldangelegenheiten. Dabei saß man etwas zu lange beisammen, wohl bei einem guten Glas Weines aus dem Keller des Verstorbenen. Erst nachts gegen 11 Uhr machte sich der Reuterle auf den Heimweg. Dabei ist ihm haarsträubendes widerfahren. 

Unheimliche Begegnung

Der Bauer hatte gerade die Anhöhe oberhalb des Christentals erreicht, als unter Hundsgekläff und Sturmgebraus der Hauptmann Roth auf einem Pferd ohne Kopf, begleitet von einer Horde Hunden ohne Köpfe, vom Graneggle her auf den armen Bauer zugesprengt kam. Im Schreck hob der Bauer seinen Hut und rief „Guten Abend, Herr Hauptmann!“ Das hätte er besser gelassen, denn der Geist erhob ein schreckliches Gebrüll und schrie den Bauer an: „Würde ich Dich nicht so gut kennen, ich zerrisse Dich zu Zunder und Fetzen!“.

Dann stürmte der berittene Geist weiter in wilder Jagd zum Heldenberg hinüber. Dabei vollführte er schrecklichen Lärm und Gebrüll. Den Bauer überkam die Angst und ihm schwanden die Sinne.

Das Gelöbnis des Reuterle

Gerade als die Wißgoldinger Kirchenglocken am Morgen das Angelusläuten anhoben, erwachte der arme Bauer aus seiner Ohnmacht. Noch an Ort und Stelle betete er einen „Engel des Herrn“, empfahl die Seele des verstorbenen Freundes der Gnade Gottes und gelobte für die Seelenruhe seines Kameraden eine Kapelle zu erbauen.

Dieses Gelübte löste er auch ein, zwischen Heldenberg und Schwarzhorn, am oberen Ende des Christentales steht seitdem die St. Leonhards-Kapelle, Reuterles Kapelle.

Reiterleskapelle
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1 Kommentare

1 Kommentar

  1. Brenner Elisabeth

    Ich würde mich über Ihre Ostalbwanderungen sehr freuen

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